Die Heilung der gelähmten
Hand
Der junge Nikolaus ging eines Tages mit seinem Vater spazieren. Sie trafen eine ältere Frau an, deren rechte
Hand gelähmt war. Sie erkannte Nikolaus sofort, sie hatte schon viel Gutes über ihn gehört, vor
allem, dass er einen heiligmässigen Lebenswandel führe. Sie fasste sich ein Herz, ging zu ihm hin und
streckte ihm ihre Rechte entgegen. Nikolaus hatte Mitleid mit der Frau und sah ihren grossen Glauben. Er ergriff
ihre Hand und die Frau konnte sie augenblicklich bewegen. Sie dankte ihm und pries Gott.
Die Bischofswahl
Der Bischof von Myra war gestorben. Die Bischöfe der ganzen Gegend kamen zusammen, um einen neuen Bischof
zu wählen. Der Vorsitzende, der grosses Ansehen genoss, ermahnte die Mitbischöfe, sich mit Fasten und
Gebet auf die Wahl vorzubereiten. Eines Nachts hörte der alte Bischof eine Stimme, die ihm sagte, der erste
Mann, der am Morgen zur Kirchentür hereinkomme und Nikolaus heisse, solle Bischof von Myra sein. Er teilte
dieses Ereignis unverzüglich den anderen Bischöfen mit und bat sie um ihr Gebet. Er selber stellte sich
hinter die Kirchentür und wartete. Zur Zeit des frühen Morgengottesdienstes öffnete ein junger Mann
die Kirchentür. Der alte Bischof hielt ihn an und fragte nach seinem Namen. "Ich heisse Nikolaus".
Der Vorsitzende rief die anderen Bischöfe und sie wählten den sich sträubenden Nikolaus zum Bischof
von Myra.
Das Wannenwunder
Eine Mutter lässt ihr kleines Kind in der mit heissem Wasser gefüllten Badewanne auf dem Feuer stehen,
während sie der mehrere Stunden dauernden Bischofsweihe des Nikolaus in Myra beiwohnt. Als sie nach Hause
kommt, findet sie das Kind, das der Heilige auf wunderbare Weise vor dem Tod durch Verbrühen bewahrt hatte,
wohlbehalten in der Badewanne sitzend vor.
Aussteuer für drei
arme Mädchen
Ein vornehmer Mann, der völlig verarmt war, beabsichtigte, seine drei Töchter ins Freudenhaus zu geben,
damit sie sich ihren Lebensunterhalt selber verdienten, denn er hatte kein Geld, um ihnen eine standesgemässe
Heirat samt Mitgift zu ermöglichen. Der junge Nikolaus hatte soeben das grosse Vermögen seiner Eltern
geerbt. Er hörte vom Vorhaben des Vaters. In drei aufeinanderfolgenden Nächten wirft er jedesmal einen
Beutel voll Geld in das Haus des armen Mannes. Jedes der Geldsäcklein bildete die Mitgift für eine der
drei Töchter und ermöglichte ihre Verheiratung. In der dritten Nacht wachte der Vater hinter der Türe
seines Hauses. Als er hörte, dass wiederum ein Geldsäcklein ins Haus plumpste, eilte er dem Wohltäter
nach und erkannte den jungen Nikolaus. Für die grosse Wohltat dankte er ihm unter Tränen.
Ohrfeigen für Arius
Am Konzil von Nikäa (325) war auch Nikolaus. Die Versammlung behandelte die Irrlehre des Arius , der selbst
zugegen war. Er verteidigte seine Lehre sehr geschickt und viele Bischöfe wurden unsicher. Da stand Nikolaus
auf und gab Arius vor der ganzen Versammlung eine schallende Ohrfeige. "Das ist die einzige Antwort, die du
anscheinend verstehst" sagte er zu ihm. Der Vorsitzende rügte Nikolaus, dass sein Gebaren eines Bischofs
unwürdig sei und erklärte: "Zur Strafe muss ich dir das äussere Zeichen eines Bischofs, das
Omophorion , wegnehmen". Nikolaus nahm die Strafe demütig an. In der folgenden Nacht erschienen Christus
und Maria dem vorsitzenden Bischof. Christus zeigte ihm das Evangelienbuch und die Gottesmutter das bischöfliche
Omophorion und sie sprach: "Der morgige Tag wird Nikolaus rechtfertigen". Am anderen Tag wurde das wahre
Glaubensbekenntnis feierlich verkündet und Arius als Irrlehrer und Ketzer verdammt. Nikolaus erhielt das Omophorion
in der Konzilskirche zurück.
Die drei ermordeten Schüler
Drei wandernde Schüler übernachteten in einem abgelegenen Gasthaus. Der Wirt, der bei den Schülern
Geld und Schmuck vermutete, ermordete sie in der Nacht mit Hilfe seiner Frau und pökelte sie in einem Fass
ein. Da kam Nikolaus in der Gestalt eines Bettlers und bat um Unterkunft. Unter dem Vorwand, frisches Fleisch essen
zu wollen, überführte er die Wirtsleute. Auf sein Gebet hin erschien ein Engel und verkündete, dass
die drei Schüler zum Leben zurückgekehrt seien.
Die Hungersnot in Myra
Als Nikolaus Bischof von Myra war, brach in Lykien eine grausame Hungersnot aus. Monatelang regnete es nicht, das
Gras und das Korn auf den Feldern verdorrten. Die Leute waren schon ganz verzweifelt.
Da näherten sich eines Tages alexandrinische Schiffe dem Hafen. Nikolaus hörte, dass sie Korn geladen
hätten und ihre Fahrt nach Rom fortsetzen wollten.
Er machte sich sofort auf den Weg zum Hafen in Andriake. Auch viele Leute kamen dorthin, um die Schiffe zu sehen,
aber der Kapitän liess sein Schiff gut bewachen, damit ja niemand von dem Korn nehme.
Nikolaus begab sich schnurstracks zum Kapitän und bat ihn, ihm von jedem Schiff 100 Sack Getreide zu geben,
um die schon fast verhungerten Einwohner der Stadt zu retten. Doch der Kapitän liess sich nicht erweichen
und sagte: "Das Korn ist in Alexandria gemessen worden und ist für den Kaiser bestimmt."
Nikolaus aber liess nicht locker, erzählte dem Kapitän die Geschichte der Brotvermehrung und sagte schliesslich:
"Hilf uns doch um Gottes willen. Gibst Du uns das Getreide, wird Dir in Rom kein einziges Korn fehlen".
Der Kapitän liess sich unter der Bedingung erweichen, dass das Korn auf dem Platz des Hafens bleiben müsse,
bis er das Gewicht des Schiffes kontrolliert habe. Mit einer Kreide machte er am Schiff genau dort, wo der Wasserspiegel
war, einen Strich. Die Leute durften nun das Korn ausladen. Als das Korn ausgeladen war, hiess der Kapitän
alle Leute vom Schiff gehen und kontrollierte genau, ob sich das Wasser noch beim Kreidestrich befinde. Er traute
seinen Augen nicht. Der Kreidestrich und der Wasserspiegel waren immer noch auf gleicher Höhe. Die Leute durften
noch mehr ausladen. Schliesslich sagte Nikolaus: "Jetzt haben wir genug. Wir haben genug zu essen und für
die nächste Saat reicht es auch noch". Als das Schiff in Rom angelegt hatte, wogen die kaiserlichen
Beamten das Getreide und siehe da: es war gleichviel wie in Alexandria. Nun erzählten der Kapitän und
die Matrosen diese Begebenheit.
Die Artemislegende
Im frühen Christentum war der Kult für die heidnischen Götter noch gang und gäbe. Die Gemeindevorsteher
hatten alle Mühe, diesen zu unterbinden. So war zu Lebzeiten des heiligen Nikolaus in der Umgebung von Myra
der Kult der heidnischen Jagdgöttin Artemis (= Diana) noch üblich. Die Tempel der Götter waren geschlossen
oder zerstört. Die Anhänger des Artemiskultes opferten daher bei heiligen Bäumen. So war auch in
der Nähe von Myra ein grosser Baum der Jagdgöttin geweiht. Nikolaus liess ihn fällen. Artemis war
darüber erbost und sann auf Rache.
Als Pilger aus weiter Ferne sich anschickten, die Seefahrt nach Myra anzutreten, um das Grab des heiligen Nikolaus
zu besuchen, nahte ihnen in Frauengestalt ein Dämon, der einst im zerstörten Artemistempel gehaust hatte
und übergab ihnen ein mit Öl gefülltes Gefäss mit der Bitte, das Öl in die Lampen der
Nikolauskirche zu giessen. Bevor das Schiff im Hafen von Myra ankam erschien Nikolaus einem der Pilger im Schlaf
und befahl, das Gefäss ins Meer zu werfen. Als am anderen Morgen der Befehl ausgeführt wurde, erhob sich
auf dem Meer eine Feuerflamme mit viel Rauch und Gestank und es entstand ein grosser Sturm. Nikolaus beruhigte
das Meer, den Wind und die verängstigten Pilger und Matrosen. Die Wallfahrer erkannten den dämonischen
Betrug und dankten Gott und dem heiligen Nikolaus.
Errettung der zum Tod
Verurteilten
Zur Zeit des Kaisers Konstantin des Grossen brachen in Frigia Adaifalorum in Phrygien Unruhen aus. Der Kaiser schickte
die Feldherren Nepotioanos, Ursos und Eupoleo nach Phrygien, um einen Aufstand zu unterdrücken. Durch ungünstige
Winde gezwungen, liefen sie mit ihren Schiffen den Hafen von Andriake bei Myra an.
Die Soldaten fingen an, das Land zu verwüsten und auszuplündern; Die Einwohner liessen sich dies nicht
einfach bieten und so entstand ein kleines Gefecht; doch gegen die Übermacht der Soldaten hatten die Bewohner
keine Chance. Nikolaus eilte herbei und mit Hilfe der drei Feldherren wurde die Ruhe wieder hergestellt. Darauf
lud er diese bei sich zum Essen ein. Unterwegs nach Myra begegneten sie drei Männern, die sofort hingerichtet
werden sollten; obwohl unschuldig, waren sie vom bestochenenen Statthalter Eustathios zum Tod verurteilt worden.
Nikolaus riss dem Henker das Schwert aus der Hand. Er hiess die Männer aufstehen und ging mit ihnen schnurstracks
zum Präfekten. Nikolaus macht Eustathios heftige Vorwürfe und drohte ihm Strafe an. Die drei Feldherren
legten bei Nikolaus Fürbitte für ihn ein und so vergab er dem Statthalter.
Als die drei siegreich nach Konstantinopel zurückkamen, wurden sie von Neidern beim Richter Ablabios verleumdet:
sie seien Anführer eines geplanten Aufstands gegen den Kaiser. Der Kaiser verurteilte sie zum Tod. Als die
drei in strenger Haft ihrem Ende entgegensahen, erinnerten sie sich ihres Erlebnisses in Myra und begannen zu beten,
sie baten Nikolaus um Hilfe.
In derselben Nacht hatte der Kaiser Konstantin einen Traum: ein Mann, der sich Nikolaus, Bischof von Myra, nannte
erschien ihm und forderte ihn auf, die drei Feldherren sofort freizulassen da sie unschuldig seien. Würde
er dem Befehl nicht nachkommen, so würde er in einem Krieg grausam umkommen und den Vögeln zum Frasse
dienen. Eine ähnliche Erscheinung hatte auch Ablabios.
Durch den Traum aufgewühlt, liess der Kaiser am nächsten Morgen die Gefangenen zu sich bringen und warf
ihnen vor, durch verruchte Zauberei seine nächtliche Ruhe gestört zu haben. Sie aber konnten sich keinen
Reim darauf machen und beteuerten von neuem ihre Unschuld. Da fragte sie der Kaiser, ob ihnen ein Bischof Nikolaus
bekannt wäre. Jetzt fiel es den Feldherren wie Schuppen von den Augen, sie wussten nun plötzlich, wer
für sie gesprochen und ihre Unschuld ans Licht gebracht hatte. Der Kaiser liess sie sofort frei und schickte
sie mit kostbaren Geschenken nach Myra. Nikolaus aber wies allen Dank zurück und lobte Gott, der solche Wundertaten
durch ihn vollbrachte hatte.
Nikolaus als Abt
Ein Verwandter des Nikolaus hatte ein Kloster gegründet und wollte Nikolaus als Abt einsetzen. Nikolaus weigerte
sich aus Demut und nahm das Amt erst auf Anraten seines Beichtvaters an.
Einige Jahre später wollte Nikolaus sein Leben als Einsiedler beschliessen. Vorher aber wollte er noch nach
Jerusalem pilgern. In Jerusalem besuchte er verschiedene Wallfahrtsstätten. Dann mietete er ein Schiff und
befahl, ihn den Nil aufwärts zu fahren, da er in der Wüste sein Leben beenden wollte. In der Nacht erschien
ihm Christus im Traum und forderte ihn auf, ins Kloster zurückzukehren. Nikolaus gehorchte und befahl, ihn
zurückzubringen. Die Seeleute aber wollten wie ursprünglich den Nil hinauffahren und fuhren stillschweigend
weiter. Kurz bevor sie Ägypten erreichten, entstand ein mächtiger Sturm, der das Schiff in seinen Heimathafen
zurücktrieb. Da beichteten die Schiffsleute dem Bischof ihren Ungehorsam und erbaten Verzeihung. Danach fuhren
sie Nikolaus auf dem kürzesten Weg zu seinem Kloster zurück.
Errettung aus Seenot
Ein Schiff mit vielen Passagieren und kostbarer Fracht geriet eines Tages in einen Sturm. Die Mannschaft war tüchtig
und der Kapitän ein erfahrener Seebär. Da geriet es in einen heftigen Sturm. Der Himmel wurde dunkel
und heftiger Wind trieb das Schiff hin und her.
In dieser Not fiel ihm ein, was er einst vom Bischof von Myra gehört hatte. Und er betete, ja er schrie in
den Sturm hinaus: "Nikolaus, rette uns, hilf uns!" Dieser Notschrei wurde von den Seeleuten aufgenommen
und alle riefen: "Nikolaus, hilf uns!"
Auf einmal wurde es etwas heller und die Seeleute sahen einen Mann, den sie noch nie gesehen hatten. Er sprach:
"Ihr habt mich gerufen, nun bin ich hier". Und er half den Matrosen die Taue zu kappen und die Segel
aufzurichten. Bald beruhigte sich der Sturm und auch das Meer.
Als der Kapitän dem Unbekannten danken wollte, war dieser auf dem ganzen Schiff nicht zu finden. Bald darauf
landete das Schiff im Hafen von Myra. Der Kapitän ging mit seinem Steuermann zur Kirche. Er wollte Gott für
die Rettung aus Seenot danken. Dort sahen sie den Bischof Nikolaus und erkannten in ihm den unbekannten Helfer.
Sie dankten ihm überschwenglich. Er aber sagte: "Nicht ich, sondern euer Glaube und die Gnade Gottes
haben euch geholfen."
Rettung aus dem Dnjepr
Eines Tages fuhr ein kleiner Junge in einem kleinen Boot auf dem russischen Fluss Dnjepr. Ein Sturm kam auf und
das kleine Boot kenterte. Der Knabe ertrank. Seine Eltern waren traurig und untröstlich und flehten zum heiligen
Nikolaus, er solle ihren Sohn wieder zum Leben erwecken. Am nächsten Tag sass der Junge lebendig und gesund
auf den Stufen der Kathedrale zu Kiew. Die Eltern wurden gerufen und überglücklich schlossen sie ihren
Jungen in die Arme. Dann gingen sie in die Kirche und dankten Gott und dem heiligen Nikolaus.
Das Teppichwunder
In der byzantinischen Hauptstadt lebte ein frommes Ehepaar, das ein gutgehendes Kaufhaus führte. Im Alter
geriet es in bittere Armut. Um zu überleben, verkaufte es nach und nach seinen gesamten Hausrat bis auf einen
wunderschönen Teppich. Jedes Jahr feierten sie den Jahrestag des heiligen Nikolaus. Doch diesmal hatten sie
kein Geld mehr, um das Nötigste zu kaufen und sie entschlossen sich schweren Herzens, den liebgewonnen Teppich
zu verkaufen. Der Mann rollte den Teppich zusammen und machte sich auf den Weg zum Markt. Da hielt ihn ein Mann
an und fragte: "Willst du den Teppich verkaufen?". Der alte Mann nickte, der Fremde prüfte den Teppich
und sagte: "Das ist ein schöner Teppich, den solltest du nicht einfach so verkaufen; ja, was willst du
denn dafür?" Der ehemalige Kaufmann sagte: "Er hat früher 10 Goldstücke gekostet, ich
bin zufrieden, was du mir gibst". "Sind dir sechs Goldstücke genug?" der alte Mann nickte und
war froh, dass er den alten Teppich so schnell verkaufen konnte; traurig war er schon, denn der Teppich erinnerte
ihn an viel Schönes. Der Alte ging sogleich einkaufen: Essen, Getränke und Kerzen für das Nikolausfest.
Inzwischen klopfte es bei der Frau zuhause. Ein alter Herr stand vor der Tür, auf der Schulter trug er einen
zusammengerollten Teppich. Ohne ein Wort ging er in das Wohnzimmer, rollte den Teppich auf und sagte: "Dein
Mann kommt bald, er kauft nur noch ein". Dann ging er schnell fort. Die Frau wurde argwöhnisch, ja fast
ein bisschen wütend, denn sie glaubte, dass ihr Mann sie belogen hätte. Als er wenig später nach
Hause kam, schimpfte die Frau drauf los. Der Mann liess alles über sich ergehen und fragte nach dem Aussehen
des fremden Mannes. Die Frau beschrieb ihn und da erkannten die beiden, dass es der heilige Nikolaus selber gewesen
sein musste. Beide dankten Gott und dem Heiligen.
Der Geldleiher
Ein Christ borgte sich bei einem Juden eine grössere Geldsumme. Er versprach unter Anrufung des heiligen Nikolaus
als Bürge, das Geld an einem festgesetzten Tag zurückzugeben. Als die Frist abgelaufen war wollte der
Jude sein Geld zurück. Der Christ behauptete jedoch, sein Versprechen längst eingelöst und dem Juden
das Geld zurück gegeben zu haben. Der Gläubiger rief den Richter an. Da der Christ wusste, dass er vor
Gericht schwören müsse, wandte er eine List an: er verschaffte sich einen hohlen Stab und füllte
das Geld ein. Vor Gericht erschien er mit dem Stock. Als er seine Aussage mit einem Schwur bekräftigen musste,
gab er den Stab dem Juden zum Halten. Nach dem Eid nahm er den Stab wieder an sich. Der Jude hatte den Trick nicht
durchschaut, war sehr enttäuscht und schimpfte auf den heiligen Nikolaus.
Auf dem Heimweg wurde der Christ so müde dass er sich zum Schlafen an den Strassenrand legte. Ein schnell
fahrender Wagen sah in zu spät und überfuhr ihn. Der Christ war sofort tot und der Stock zerbrochen.
Die darin versteckten Geldstücke lagen verstreut auf der Erde. Als der Jude von dem Unfall hörte, eilte
er schnurstracks zur Unfallstelle. Die Leute drängten ihn, das Geld zu nehmen. Der Hebräer jedoch wollte
es erst, wenn der heilige Nikolaus, der Bürge, den Christen wieder zum Leben erwecke; zudem versprach er,
sich taufen zu lassen. Da stand der Tote auf, bereute seinen Meineid und gab dem Israeliten alles Geld zurück.
Der Jude hielt sein Versprechen und liess sich taufen.
Rettung des jugendlichen
Christensklaven
Basilios, ein Bauernsohn von der Küste nahe bei Myra, wurde beim nächtlichen Lob- und Gedenkgottesdienst
am Nikolausfest von einfallenden kretischen Arabern in der Kirche des Heiligen gefangengenommen. Seiner Schönheit
wegen nahm ihn der Emir von Kreta zum persönlichen Diener.
Bei den Eltern wurde die Festfreude zur Wehklage; die Mutter war dermassen untröstlich, dass sie sich auch
nach Jahresfrist weigerte, das Nikolausfest wie üblich zu feiern. Nur mit Mühe überredete sie ihr
Mann dazu. Als die Gäste zu Tische sassen und von Basilios redeten, bellten im Hof die Hunde. Der Bauer schlich
hinaus und erblickte, starr vor Schrecken, seinen Sohn in arabischer Tracht, mit einem vollen Becher in der Hand.
Als beide die Sprache wiedergefunden hatten, erzählte Basilios, wie er, während er als Mundschenk seines
Amtes waltete, plötzlich von einer unsichtbaren Gewalt entrückt worden sei, vor Schrecken halb ausser
sich, habe er Nikolaus gesehen, der ihm Mut zugesprochen habe. Den wiedergeschenkten Sohn führte der Vater
der Mutter und den Gästen zu und alle dankten dem Heiligen.
Erlösung aus Sklavschaft
Ein junger Mann aus der Normandie fuhr an einem schönen warmen Sommerabend aufs Meer hinaus. Plötzlich
kam ein arabisches Piratenboot und nahm ihn mit. Der junge Mann wurde auf dem Markt als Sklave an einen reichen,
aber bösartigen Araber verkauft. Von da an hatte er kein schönes Leben, für alles schob man ihm
die Schuld zu. So wurde er häufig geschlagen und schliesslich sogar in den Kerker geworfen.
Er war verzweifelt, weinte und flehte den heiligen Nikolaus um Hilfe an. Endlich konnte er in seiner Not einschlafen.
Als er aufwachte, war er in seinem Elternhaus. Es war gerade der Tag des Nikolausfestes. Er warf sich auf die Knie
und dankte dem Heiligen.
Totenerweckung eines Studenten
Durch einen bösen und schweren Traum seiner Gattin erschreckt, besuchte ein frommer Mann aus der Lombardei
mit ihr am Nikolaustag die Kirche. Während ihrer Abwesenheit wurde ihr Sohn, der allein zu Hause geblieben
war, vom Teufel, der in der Gestalt eines Pilgers zum Haus gekommen war, getötet. Die zurückkehrenden
Eltern sahen darin die Erfüllung ihres Traumes.
Trotzdem feierten die Eltern wie alljährlich das Fest des heiligen Nikolaus. Sie hatten dazu viele Priester
eingeladen. Um die Festfreude nicht zu trüben sollten diese vom Tod des Kindes nichts erfahren. Deshalb legten
sie die Leiche in einen Nebenraum und deckten sie zur Sicherheit mit einem Tuch zu.
Da kam der ebenfalls als Pilger verkleidete Nikolaus zum Haus und wurde sofort eingeladen, am Fest teilzunehmen.
Er nahm die Einladung gerne an, wünschte aber in dem Raum zu speisen, in dem der Junge lag. Als Nikolaus den
Buben fand, erweckte er ihn zum Leben und verschwand. Der Junge ging zur Festgemeinde und erzählte, was passiert
war.
Das Becherwunder
Ein vornehmes Ehepaar, das keinen Sohn hatte, flehte zum heiligen Nikolaus um einen Sohn. Der Vater gelobte, mit
diesem gemeinsam zur Kirche des Heiligen Nikolaus in Myra zu pilgern und dort einen goldenen Becher abzugeben,
sobald der Sohn alt genug sei. Nach einem Jahr gebar die Frau einen Sohn.
Als der Knabe herangewachsen war, liess der Vater den goldenen Becher anfertigen. Dieser war so schön geworden,
dass es den Vater reute, ihn wegzugeben. Deshalb liess er einen zweiten, weniger teuren Becher anfertigen.
Während der Überfahrt nach Myra bat der Vater seinen Sohn, mit dem kostbaren Becher Wasser zu schöpfen.
Das Kind fiel mit dem Becher ins Wasser und ertrank. Der Vater weinte bitterlich, fuhr aber trotzdem zur Kirche
des heiligen Nikolaus um sein Versprechen einzulösen. Er stellte den zweiten, weniger kostbaren, Becher auf
den Altar. Dieser fiel auf den Boden, und so oft der Vater ihn aufhob, so oft fiel er wieder zu Boden. Alle, die
zugegen waren wunderten sich. Da ging die Kirchentür auf und der Sohn kam herein, gesund und unverletzt. In
der Hand hielt er den kostbaren Becher. Er erzählte, dass ihn der heilige Nikolaus gerettet habe. Voller Freude
über die wunderbare Errettung seines Sohnes opferte der glückliche Vater beide Becher.
Räuber geben das
Diebesgut zurück
Vandalen aus Afrika fielen in Kalabrien ein, plünderten und führten viele Gefangene mit sich fort. Einer
der Räuber, ein Zöllner, fand unter seiner Beute ein kunstvolles Bild. Er lässt sich von einem Gefangenen
belehren, dass es den heiligen Nikolaus darstelle und der Besitzer so lange in Glück und Reichtum lebe, als
er das Bild ehre und achte.
Der Heide war über seinen Fund hocherfreut. Er setzte es als Hüter seiner Schätze ein. Er war sich
sicher, dass diese so am besten geschützt seien. Trotzdem wurden sie ihm gestohlen. Da wurde er wütend
und schimpfte mit dem heiligen Nikolaus auf dem Bild; er drohte ihm sogar mit Prügeln, falls er die gestohlenen
Schätze nicht wieder beibringe.
Nikolaus, der nicht zugeben konnte, dass sein Bild misshandelt werden sollte, erschien den Dieben in dem Moment,
als die sie die Beute teilen wollten und befahl ihnen, sie sofort zurückzubringen. Falls sie es nicht täten,
drohte er ihnen die Auslieferung an den Richter und den Tod durch Erhängen an. Die Diebe waren so eingeschüchtert,
dass sie ihre Beute zurückbrachten. Auf den Zöllner machte dies einen solchen Eindruck, dass er das Bild
küsste und ihm einen Ehrenplatz in seinem Hause gab. Mit seinem ganzen Hause bekehrte er sich zum Christentum
und liess eine Kirche zu Ehren des heiligen Nikolaus bauen. So wurde Nikolaus auch in Afrika berühmt.
Der Tod des Heiligen
Auf der Festtagsikone ist auch das Sterben des Heiligen dargestellt. Umgeben von Bischöfen liegt Nikolaus
auf seinem Sterbebett. Er haucht seine Seele aus, die der Engel Michael entgegennimmt, um sie zum Schöpfer
zurückzutragen.
In alten Beschreibungen wird das Sterben etwas ausführlicher und anschaulicher beschrieben. Als Nikolaus fühlt,
dass sein Ende naht, bittet er Gott um heilige Engel, die seine Seele zu ihm zurückbringen sollen. Dann betet
er das Sterbegebet der alten Kirche, den Psalm 31, und übergibt seine Seele dem ihm erschienenen Engel.